Die Bildungsplanreform 2004
Bildungsstandards, Bildungspläne
Die älteren Bildungspläne, die im Rahmen der Bildungsplanreform sukzessiv durch die Bildungsstandards abgelöst werden, können Sie weiter unten auf dieser Seite erreichen. Dort befindet sich auch ein Link auf die Lehrpläne der beruflichen Schulen.
Grundschule
Bildungsstandards
Niveaukonkretisierungen
Umsetzungsbeispiele
Hauptschule und Werkrealschule
Bildungsstandards
Niveaukonkretisierungen
Umsetzungsbeispiele
Realschule
Bildungsstandards
Niveaukonkretisierungen
Umsetzungsbeispiele
Gymnasium
Bildungsstandards
Niveaukonkretisierungen
Umsetzungsbeispiele
Sonderschulen
allgemeine Information
Bildungspläne 1994 - allgemein bildende Schulen (mit Ergänzungen und Aktualisierungen bis 2004)
Grund-, Haupt-, Realschule, Gymnasium, Sonderschule
Berufliches Schulwesen
Lehrpläne für berufliche Schulen
Mit einer umfassenden Bildungsplanreform will Baden-Württemberg die Unterrichtskultur an den Schulen weiter modernisieren und fortentwickeln. Die wichtigsten Bestandteile werden dabei sein: Die Entwicklung eines neuen Bildungsplans auf der Grundlage von Bildungsstandards und die Einführung von Kontingentstundentafeln. Beides dient der Stärkung der Selbstverantwortung der einzelnen Schule und der Entwicklung eines eigenen Schulprogramms. Die Reform berücksichtigt die Ergebnisse von TIMSS und PISA, die uns im Übrigen auf dem bereits eingeschlagenen Weg bestärken. Ziel ist es die Qualität von Schule und Unterricht zu verbessern.
Die Entwürfe der Bildungsstandards werden nach und nach in das Internet eingestellt. Damit wird eine breite öffentliche Beteiligung am weiteren Entwicklungsprozess der Bildungsstandards ermöglicht, da alle Anregungen und Zuschriften ausgewertet und ggf. berücksichtigt werden.
Im Folgenden gibt das Kultusministerium Antwort auf die häufigsten Fragen im Zusammenhang mit der Bildungsplanreform und erläutert die entsprechenden Fachbegriffe:
Was steht im Zentrum dieser Reform?
Das Kernstück der Reform ist die Fortentwicklung der Unterrichtskultur. Das bedeutet zum einen weniger staatliche Vorgaben und mehr Verantwortung für die einzelne Schule. Zum anderen bedeutet dies, dass Grundlagenwissen und Allgemeinbildung gestärkt werden, es also weniger Stofffülle und weniger Spezialisierung für die Schülerinnen und Schüler geben wird. Diese Aufgaben sollen die künftigen Bildungsstandards erfüllen. Die Reform soll auch Freiraum für innere Differenzierung und damit eine Ausweitung der Fördermöglichkeiten für einzelne Schülerinnen und Schüler bieten.
Was sind Bildungsstandards?
Bildungsstandards legen konkret fest, welches verbindliche Wissen und welche Kompetenzen Schülerinnen und Schüler zu einem bestimmten Zeitpunkt zur Verfügung haben müssen. Bildungsstandards enthalten Leitgedanken zu einem speziellen Fach oder zu einer Fächergruppe, Zielformulierungen und Inhalte sowie Musteraufgaben zur Evaluation von Schülerleistung und Unterrichtsqualität. Sie beschreiben verbindliche Zielvorgaben der fachlichen Fertigkeiten und Fähigkeiten sowie der überfachlichen - also methodischen, sozialen und personalen - Kompetenzen.
Mit einer Festlegung dessen, was ein Schüler oder eine Schülerin gelernt und präsent haben muss, bietet sich eine Orientierung für die Qualitätskontrolle (Evaluation) am Ende eines Bildungsabschnitts. So wird Nachhaltigkeit von Wissen und Bildung gewährleistet. Gleichzeitig wird die Anschlussfähigkeit für den weiteren Bildungs- und Berufsweg gesichert. Für Schülerschaft, Lehrkräfte, Schulen, Hochschulen und Wirtschaft wird damit eine verlässliche Basis schulischen Lernens geschaffen.
Wer entwickelt die Bildungsstandards, wie werden sie erarbeitet und wie sollen die Ziele überprüft werden?
Die Bildungsstandards werden von erfahrenen Lehrkräften ausgearbeitet. In einem ersten Schritt erstellten sie die Bildungsstandards für die Abschlussklassen der jeweiligen Schulart. Bis Ende des Schuljahres 2001/2002 sollen zudem Entwürfe für die Bildungsstandards im Zweijahresrhythmus - beginnend ab Klasse 2 - erarbeitet sein. Damit erhalten die Schulen ein Instrumentarium für die Bewertung der Ergebnisse ihres Unterrichts, also die Voraussetzung für eine wirkungsvolle Evaluation.
Was bedeutet der Begriff Evaluation?
Evaluation bezeichnet eine systematische Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung. In der Schule bedeutet Evaluation die Bestimmung, Bewertung und Beurteilung der Prozesse und der Ergebnisse des Unterrichts. Zentrale Diagnoseaufgaben, wie sie in Baden-Württemberg bereits heute für verschiedene Klassenstufen aller Schularten existieren, geben Lehrkräften, Eltern sowie Schülerinnen und Schülern verlässliche Rückmeldungen über den tatsächlichen Lernstand. Zu solchen zentralen Verfahren kommen schulinterne Verfahren der Qualitätssicherung hinzu.
Ist eine öffentliche Beteiligung bei der Entwicklung der Bildungsstandards möglich?
Die Beteiligung aller Interessierten an der Weiterentwicklung der Bildungsstandards ist über das Internet nicht nur möglich, sondern ausdrücklich erwünscht. Das Kultusministerium betritt hier Neuland. Alle Beiträge werden ausgewertet und in einer Überarbeitung der Urfassung ggf. berücksichtigt. Insbesondere können sich hier Lehrerinnen und Lehrer und die Schulen aktiv in die weitere Modernisierung der Unterrichtskultur einbringen.
Werden mit der Reform die Bildungspläne abgeschafft?
Es wird weiterhin Bildungspläne für die einzelnen Schularten geben, die aber konzentrierter sein werden. Die Bildungsstandards werden auf der Grundlage der bestehenden Bildungspläne entwickelt. Das Kultusministerium hat die Schulen gebeten, ihre Erfahrungen mit diesen Plänen mitzuteilen. Diese Bitte ist auf großen Widerhall gestoßen. Kritik wird vor allem an der großen Stofffülle und an einer Detailüberfrachtung geübt. Bemängelt wird auch, dass für ein eigenständiges pädagogisches Programm der einzelnen Schule nicht viel Freiraum bleibt, wenn alle Vorgaben der bisherigen Bildungspläne beachtet werden. Hier setzt die Reform an, und hier soll durch die Verschlankung der Bildungspläne und eine Ausrichtung auf Kerncurricula und die Einführung von Kontingentstundentafeln mehr Freiraum für die Schulen geschaffen werden.
Mit der Reform nehmen wir also die Fragenkomplexe Stoffreduzierung, Akzentuierung des verbindlichen Grundlagenwissens, die Qualität des Unterrichts sowie die Nachhaltigkeit des Lernens in den Blick.
Wie wird ein Kerncurriculum ausgewiesen?
Die Bildungsstandards legen fest, welche inhaltlichen, sozialen und methodischen Kompetenzen verpflichtend erarbeitet werden müssen und worauf sich die zentralen Prüfungen beziehen. Die Bildungsstandards enthalten das Pflichtprogramm (Kerncurriculum). Zusätzlich gestaltet jede Schule ihr schuleigenes Programm und damit ihr eigenes Curriculum.
Was ist unter einer Kontingentstundentafel zu verstehen?
Kontingentstundentafeln legen eine Gesamtzahl von Stunden für ein Fach, eine Fächergruppe oder einen Fächerverbund fest. Eine Schule kann in eigener Verantwortung die Verteilung der Stunden über die Jahre festlegen und so Schwerpunkte setzen. Dabei muss sicher gestellt sein, dass nach dem bestimmten Zeitabschnitt die Bildungsstandards erfüllt sind. Die Kontingentstundentafeln sind im Zusammenhang mit der Einführung neuer Fächerverbünde und Gruppen benachbarter (affiner) Fächer besonders wichtig. Das bisherige Konzept einer festen Jahresstundentafel würde dieser Neuerung nicht mehr gerecht. Ab 2004 wird es keine Stundentafeln mehr geben, die die einzelnen Stunden der Fächer je Jahrgang ausweisen.
Bedeutet eine Verschlankung des Bildungsplans, dass künftig weniger gelernt wird?
Nein, es bedeutet, dass besser und wirkungsvoller gelernt wird. Die Fülle des Stoffes wird verringert. Stoffreduzierung kann aber nicht heißen, dass wir das Niveau absenken. Mit einer Konzentration auf das Wesentliche werden grundlegende Fertigkeiten und Basiskompetenzen gestärkt. Die Qualität des Lernens und die dauerhafte Verfügbarkeit des wirklich Wichtigen werden erhöht.
Weshalb geben wir den Schulen mehr Freiräume?
Insgesamt müssen die individuellen Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler stärker berücksichtigt werden. Auch lernen sie heute wesentlich häufiger projektorientiert. Mit der Entwicklung fächerübergreifender Lernansätze, einem teilweise veränderten Zuschnitt der Schulfächer und der Öffnung schulischen Lernens hinein in Betriebe wurde die Dimension des schulischen Arbeitens und Lernens deutlich in den außerschulischen Bereich erweitert. Im Rahmen der inneren Schulentwicklung wurden bereits in den vergangenen Jahren die Freiheit des methodisch-didaktischen Arbeitens gestärkt und durch die Einbeziehung von Eltern und des gesellschaftlichen Umfelds der Raum Schule deutlich geöffnet. Diese Möglichkeiten des Lernens sollen noch weiter ausgebaut werden. Entsprechend mehr Flexibilität brauchen Schulen heute, wenn sie ihre Arbeit planen.
Bedeutet die eigenständige innere Entwicklung der Schulen, dass es künftig keine zentralen Prüfungen mehr geben wird?
Nein, im Gegenteil! Die zentral gestellten Abschlussprüfungen bleiben erhalten. Damit wird das Erreichen der Bildungsstandards überprüft. Die Eigenständigkeit der Schulen muss immer im Zusammenhang mit derartigen Prüfungen und der Evaluation von Unterricht und Schülerleistung gesehen werden.
Welche Rolle spielt der neu einberufene Bildungsrat bei der Bildungsplanreform?
Der Bildungsrat Baden-Württemberg ist ein von Kultusministerin Dr. Annette Schavan einberufenes Gremium mit Bildungsexpertinnen und -experten aus dem In- und Ausland. Es hat die Aufgabe, das Kultusministerium bei der Weiterentwicklung und Neugestaltung von Bildungsplänen sowie bei der Erarbeitung von Bildungsstandards zu beraten. Darüber hinaus kann der Bildungsrat vielfältige Impulse zur Entwicklung weiterer bildungspolitischer Neuerungen geben.

